„Der Euro hält – zumindest die nächsten drei Jahre“

Auf Einladung des IMW kam der Ökonom Prof. Dr. Max Otte für einen Vortrag nach Menden – ein gefragter Wirtschafts- und Finanzexperte. Bereits im Jahr 2006 brachte er das Buch „Der Crash kommt“ auf den Markt - und 2008 kam die internationale Finanzkrise tatsächlich. Immer wieder wird der 47-Jährige als „Krisen-Ökonom“ bezeichnet - daran hat er sich gewöhnt. Er selbst sieht sich als Wirtschaftshistoriker. Und so erfuhren die etwa 380 Besucher der Veranstaltung auf der Wilhelmshöhe, dass man diese Krise seit 30 Jahren habe kommen sehen können.
Seit sechs Jahren ist er amerikanischer Staatsbürger, bezeichnet sich aber ausdrücklich als „glühenden Europäer“. Promoviert hat Otte an der Princeton University. Über den Euro sagt er: „Der Euro hält – zumindest die nächsten drei Jahre.“ Da seine Prognosen diese Frist nicht überschreiten, könne er gerne in drei Jahren noch einmal eingeladen werden.
Wenn es Privatanlegern um Geldanlagen geht, rät er zu Qualitätsaktien. Aktien, die es schon seit 30 oder mehr Jahren gibt. Und dabei stehen Güter des täglichen Bedarfs ganz oben in seiner Gunst – vorrangig die Marktführer. Gold sei eine gute Beimischung. Immerhin würde seit Anbeginn der Menschheit damit gehandelt und es sei immer eine letzte Instanz. Das physische Gold als Metall ziehe er dem Papierwert vor. Bei Immobilien rät er zur Vorsicht: Wohnflächen seien bereits ausreichend vorhanden, die Auflagen für Objekte nehmen immer mehr zu, die Bevölkerung ab. Genau wie auch die Mietmoral abnehme. Also setze man bei Immobilien besser auf Qualität und gute Lage.
Aktienpakete, Ackerland und Wälder hätten den Besitzern auch in schwierigen Zeiten schon oft das Einkommen gesichert.
Innerhalb des Finanzsystems in Deutschland sieht Prof. Dr. Otte den Mittelstand bestraft. Ehrliche Arbeit werde von Spekulationsgeschäften überholt. Das sei keine gute Basis.
Immer wieder lenkt er den Blick auf die Gesamtzusammenhänge in der Gesellschaft. Er würde ein Parlament für Europa befürworten, in dem die Anteile der Stimmen an der Bevölkerung gemessen würden. Ganz allgemein sei die beste Grundlage ein stabiles Rechtssystem, in dem die Menschen ihren tatsächlichen Neigungen nachgehen könnten. Nicht jeder sei nun mal ein Kaufmann.
Prof. Dr. Otte beeindruckte mit einem Vortrag, der auch danach noch in gemütlicher Runde im Spiegelsaal für viel Gesprächsstoff sorgte.
